Patientengeschichte

Interview mit Helga Thurnher

Können Sie uns etwas über die Zeit vor und nach der Diagnose der Erkrankung Ihres Mannes erzählen: Wie hat sich die Erkrankung angekündigt? Wie hat sich ihr Alltag verändert? Haben Sie sich gut informiert gefühlt oder hätte es Ihrer Meinung nach mehr Aufklärung bedurft?

Die Erkrankung meines Mannes hatte sich für mich schon ziemlich lange angekündigt. Er hatte sichtbar abgenommen und unter den Augen waren dunkle Ringe erkennbar. Sein Verhalten im Alltag war gereizt – ich merkte einfach, dass er sich nicht wohl fühlt, etwas nicht stimmt mit ihm.

Als wir die Diagnose „Darmkrebs“ erhielten, war es für uns ein großer Schock und der Alltag war plötzlich von Spitals- und Arztterminen bestimmt. Dennoch haben wir versucht – so gut es ging – weiterzuleben wie bisher.

Soweit ich mich erinnern kann, war die Aufklärung gut, aber ich denke, wir wollten die Tragweite der Diagnose zunächst nicht wahrhaben.

Sie haben gemeinsam mit Ihrem Mann die „Selbsthilfe Darmkrebs“ gegründet. Abgesehen von Ihrer persönlichen Betroffenheit – gab es ein Erlebnis, das Sie besonders dazu bewegt hat?

Der unmittelbare Anlass für die Gründung der Selbsthilfe Darmkrebs war das „nicht Bezahlen“ der damals neuen Antikörpertherapie, die meinem Mann Lebensverlängerung versprach. Als wir dann erfahren mussten, dass die Therapie in Wien im Krankenhaus nicht bezahlt wird, wollten wir dies nicht einfach hinnehmen und gründeten den Verein, um öffentlich auf diese Situation aufmerksam zu machen. Es gelang uns in weiterer Folge, dass die Therapie österreichweit bezahlt und bewilligt wurde.

Wie sehr sind Ihrer Meinung nach Innovationen in der Therapie in Ihrer Kommunikation mit Betroffenen ein Thema? Wie sieht die Erwartungshaltung der Betroffenen aus? Was sind die wichtigsten Fragen zur Zukunft der Medizin?

Die Betroffenen haben die Möglichkeit sich bei vielen Vorträgen mit Experten und persönlichen Gesprächen mit diesen – die wir anbieten – zu informieren und das wird auch sehr gut angenommen.

Die Erwartungshaltung der meisten Betroffenen und Angehörigen ist groß, die Hoffnung auf Überleben bei guter Lebensqualität steht im Vordergrund.

Die Frage, ob das Gesundheitssystem in der Lage sein wird, dass weiterhin alle Patienten die bestmögliche Therapie bekommen, beschäftigt die Menschen sehr.

Sie haben in den Jahren seit der Darmkrebs-Diagnose Ihres Mannes und der Gründung der „Selbsthilfe Darmkrebs“ sicher viele negative, vermutlich aber auch manche positive Erlebnisse gehabt. Was möchten Sie anderen Betroffenen (Wünsche, Empfehlungen, Ratschläge) mitgeben?

Den Betroffenen möchte ich raten, sich gut über den Verlauf der Erkrankung zu informieren, alle seriösen Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebensqualität während der Therapie auszunützen, aber auch den Mut zu haben, den Arzt/die Ärztin zu wechseln, wenn man mit ihm/ihr „nicht kann“ sowie auch eine zweite Meinung einzuholen.

Was sind Ihre nächsten große Ziele und Träume?

Mein großes Ziel wäre es, die Erkrankung an Darmkrebs verhindern zu können.
Ich möchte den Menschen raten, auf sich und die Gesundheit zu achten und zur rechtzeitigen Vorsorge zu gehen.
Diese schwierige Zeit hat mir auch sehr viel Kraft gegeben. Ich möchte noch reisen und andere Länder, wie z.B. Südamerika oder Alaska, kennenlernen.

Führen Sie ein glückliches Leben?

Ein zufriedenes, würde ich sagen.

Helga Thurnher

Helga Thurnher hat 2004 mit ihrem damals an Darmkrebs erkrankten Mann die „Selbsthilfe Darmkrebs“ gegründet und nach dessen Tod die Leitung der Patientengruppe übernommen. Sie engagiert sich stark für die Anliegen von Krebspatienten, insbesondere natürlich Darmkrebs-Betroffenen. Während der Erkrankung ihres Mannes, der selbst Arzt war, kämpfte Frau Thurnher gemeinsam mit ihm um seine bestmögliche Versorgung und gegen Widrigkeiten im Gesundheitssystem.

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